Wir besuchten Lucy mehrere Male, bevor wir sie schließlich im August in einem Körbchen ins Auto setzten und mit ihr nach Hause fuhren. Ganz still und mit großen Augen betrachtete sie die Welt, die da an ihr vorüberzog und die sie bisher noch nicht kennen gelernt hatte. Irgendwann wurden ihr die vielen neuen Eindrücke aber zuviel und sie schlief eingerollt mit meiner Hand auf ihrem Rücken ein. Zu Hause angekommen, tapste die Kleine neugierig durch das geflieste Wohnzimmer, immer unter den wachsamen Blicken ihrer neuen Familie. Ihr erstes Geschäft erledigte Lucy auch gleich draußen im großen Garten und dann gingen wir mit dem Fellbündel ein paar Schritte spazieren. Wir hatten noch kein Halsband für sie, an dem wir eine Leine hätten befestigen können. Aber das war auch unnötig, denn so klein sie war, so selbstverständlich schien es für Lucy zu sein, sich immer dicht bei unseren Füßen aufzuhalten. Ihre kleinen Hängeohren flappten bei jedem Schritt auf und nieder, während die winzige Fellkugel stolz neben uns spazieren lief. Es schien fast so, als würde sie ihre Geschwister und Mutter nicht sehr vermissen und uns voll vertrauen.
Wie Hundebabys so sind, wäre sie wohl noch viel weiter mit uns gelaufen, aber um sie nicht zu überfordern, hielten wir den Ausflug kurz und kehrten bald wieder um.
Die erste Mahlzeit im neuen Heim fraß Lucy mit Begeisterung aus Dustys altem Napf. Der Anblick rief wehmütige Erinnerungen in mir wach. Es war schließlich immer noch nicht lange her, seit Dusty in seinem kleinen Grab neben dem duftenden Jasminbusch im Garten begraben lag. Lucys Liebe und bedingungslose Hingabe trugen viel dazu bei, dass wir alle über den Verlust viel leichter hinweg gekommen sind. 13 Jahre enge Verbundenheit, egal ob mit Mensch oder Tier, sind nie leicht zu verschmerzen, wenn die Zeit des Abschieds gekommen ist. Wenn Lucy aber ihren kleinen Kopf in den Nacken legte, mir mit ihren glänzenden Knopfaugen ins Gesicht blickte, das kurze Schwänzchen wie ein kleiner Propeller rotierte und mir dann eine warme rosa Zunge über die Nase leckte, wenn ich sie auf den Arm nahm, spürte ich jedes Mal, wie meine Wunden ein Stückchen mehr verheilten.
